Bedeutung der österreichischen Landwirtschaft
Österreichs Landwirtschaft ist ein bedeutender Bestandteil der heimischen Wirtschaft und erfüllt zugleich wichtige Funktionen für Gesellschaft und Regionen. Sie trägt zur Versorgung mit Lebensmitteln bei, bewirtschaftet große Teile der Kulturlandschaft und ist ein relevanter Arbeitgeber.
Gleichzeitig befindet sich der Sektor seit Jahren im Wandel. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betrieben zurückgeht, während die durchschnittliche Betriebsgröße zunimmt.
Zugleich gewinnen Themen wie Effizienz, Spezialisierung, Nachhaltigkeit und ressourcenschonende Bewirtschaftung zunehmend an Bedeutung. Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass sich die österreichische Landwirtschaft strukturell verändert und sich den laufenden Anforderungen anpasst.
Betriebsstruktur in Österreich
Im Jahr 2023 gab es in Österreich 101.036 landwirtschaftliche Betriebe. Das sind 8,8 % weniger als 2020. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Betriebsgröße auf 25,6 Hektar gestiegen. Das zeigt einen klaren Strukturwandel: Es wirtschaften weniger Betriebe, diese bewirtschaften dafür im Schnitt mehr Fläche. Beschäftigt waren in der Landwirtschaft zuletzt 304.974 Personen. Besonders prägend bleibt dabei die Familienarbeit: 78,6 % der Arbeitskräfte sind Familienangehörige.
Landwirtschaft in Zahlen
Jahr | Haupt- | Neben- | Betriebe insgesamt | landwirtsch. genutzte Flächen in ha |
|---|---|---|---|---|
1995 | 81.018 | 137.631 | 223.692 | 15,3 |
1999 | 79.901 | 116.757 | 201.500 | 16,8 |
2010 | 66.493 | 78.109 | 153.519 | 18,8 |
2020 | 55.479 | 50.723 | 110.239 | 23,6 |
2023 | 53.573 | 44.043 | 101.036 | 25,6 |
Quelle: BMLUK Zahlen und Fakten 2025
Tierische Produktion
Die tierische Produktion ist ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Landwirtschaft und stützt sich vor allem auf die Bereiche Fleisch, Milch und Eier. Laut Statistik Austria erzeugte die heimische Landwirtschaft im Jahr 2024 rund 860.100 Tonnen Fleisch, 4,1 Millionen Tonnen Milch und 2,33 Milliarden Eier.
Die Milchwirtschaft nimmt dabei eine bedeutende Rolle ein: 2024 wurden 4.020.700 Tonnen Rohmilch erzeugt. Auch die Weiterverarbeitung ist ein wichtiger Faktor, wobei Käse laut AMA weiterhin das wichtigste Exportprodukt der österreichischen Milchwirtschaft bleibt. Insgesamt verdeutlichen diese Zahlen die hohe Bedeutung der tierischen Produktion für Versorgung, Verarbeitung und Wertschöpfung in Österreich.
Pflanzliche Produktion
Die pflanzliche Produktion in Österreich reicht vom klassischen Ackerbau bis zum spezialisierten Obst- und Gemüseanbau. Während die gesamte Ackerfläche 2025 laut AMA bei 1.322.380 Hektar lag, wurden im selben Jahr 726.800 Tonnen Gemüse geerntet – um 9 % mehr als 2024. Auch die Obsternte fiel deutlich stärker aus als im Vorjahr: Im Erwerbsobstbau wurden 238.600 Tonnen erzielt, ein Plus von 64 %.
Die Zahlen zeigen, wie vielfältig die pflanzliche Produktion in Österreich aufgestellt ist und wie stark sie von Witterung und Marktbedingungen beeinflusst wird.
Biologische Landwirtschaft
Die biologische Landwirtschaft hat in Österreich weiterhin einen hohen Stellenwert. Bereits 2024 wirtschafteten 23.942 Betriebe biologisch, das entspricht 23,8 % aller landwirtschaftlichen Betriebe. Für das Anbaujahr 2025 weist die AMA zudem 697.500 Hektar Bio-Anbauflächen aus.
Österreich nimmt damit unter den EU-Ländern mit dem prozentuell höchsten Anteil an biologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Nutzfläche den Spitzenplatz ein.
Almwirtschaft
Die Almwirtschaft ist ein prägender Bestandteil der österreichischen Landwirtschaft und hat sowohl für die Lebensmittelproduktion als auch für die Pflege der Kulturlandschaft große Bedeutung. In Österreich gibt es rund 8.000 bewirtschaftete Almen und Weiden, die nicht nur wichtige Wirtschaftsräume, sondern auch bedeutende Natur- und Erholungsräume sind.
Die Almen selbst bedecken mit ihren Weiden und anderen Flächen rund 20 % der Gesamtkatasterfläche Österreichs. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bewirtschaftung des Berggebiets, zur Offenhaltung der Landschaft und zur regionalen Wertschöpfung.
Tierhaltung in Österreich
Auch die Tierhaltung ist weiterhin ein wichtiger Eckpfeiler der österreichischen Landwirtschaft. Allerdings ist die Zahl der viehhaltenden Betriebe in Österreich seit Jahren rückläufig. Die durchschnittliche Herdengröße ist sehr klein, die Landwirtschaft in Österreich ist damit vermehrt klein strukturiert. Zentrale Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023 zeigen, dass im Schnitt 36 Rinder, 119 Schweine, 35 Schafe und 14 Ziegen pro Betrieb gehalten werden.
Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Veränderung im Laufe der Jahre auf.
Viehaltende Betriebe in Österreich
Jahr | Rinderhalter | Kuhhalter | Schweinehalter | Schafthalter | Ziegenhalter | Geflügelhalter |
|---|---|---|---|---|---|---|
2000 | 97.708 | 69.482 | 63.786 | 14.343 | 9.150 | 65.911 |
2005 | 82.921 | 44.998 | 44.998 | 12.838 | 8.225 | 55.851 |
2010 | 71.578 | 45.108 | 38.904 | 12.623 | 8.403 | 49.725 |
2015 | 61.777 | 32.251 | 30.625 | 11.598 | 7.509 | 46.324 |
2020 | 55.019 | 24.513 | 24.513 | 12.384 | 7.766 | 47.468 |
2024 | 50.401 | 23.866 | 21.491 | 12.501 | 7.912 | 46.095 |
Quelle: BMLUK, Grüner Bericht, 2025
Veränderung des Viehbestandes
Jahr | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2020 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|
Rinder | 2.162.884 | 2.010.434 | 2.013.277 | 1.957.610 | 1.855.440 | 1.820.026 |
Schweine | 3.195.907 | 3.020.638 | 3.077.833 | 2.887.647 | 2.691.511 | 2.491.639 |
Schafe | 359.277 | 353.478 | 394.110 | 373.095 | 411.064 | 456.824 |
Ziegen | 55.676 | 54.604 | 79.560 | 80.292 | 96.407 | 102.896 |
Geflügel | 10.148.747 | 10.094.255 | 12.016.144 | 11.477.827 | 14.248.711 | 16.486.240 |
Quelle: BMLUK, Grüner Bericht, 2025
Produktionswert der österreichischen Landwirtschaft
Der Produktionswert der österreichischen Landwirtschaft zeigt, welchen wirtschaftlichen Wert die heimische Agrarproduktion innerhalb eines Jahres erzielt. Er umfasst die erzeugten pflanzlichen und tierischen Produkte sowie landwirtschaftliche Dienstleistungen zu laufenden Herstellungspreisen.
Laut Statistik Austria lag der Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs 2025 bei rund 11,0 Milliarden Euro und damit über dem Vorjahresniveau. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem von einem Anstieg bei der tierischen Erzeugung sowie von einer insgesamt positiven Markt- und Preisentwicklung in mehreren Produktionsbereichen.
Wert aus dem Jahr 2024 der landwirtschaftlichen Endproduktion:
- 9,98 Mrd. Euro davon:
- 4,7 Mrd. Euro (47,5 %) Tierische Erzeugung
- 4,2 Mrd. Euro (41,6 %) Pflanzliche Erzeugung
- 1,1 Mrd. Euro (10,9 %) Dienstleistungen und Nebentätigkeiten
Quelle: Grüner Bericht 2025
Selbstversorgungsgrad und Verbrauch
Der Selbstversorgungsgrad zeigt, zu welchem Anteil Österreich den Bedarf an bestimmten Lebensmitteln aus eigener Produktion decken kann. Die aktuellen Daten zeigen, dass Österreich vor allem bei tierischen Produkten eine hohe Eigenversorgung aufweist. Eine genaue Aufstellung ist in der darunterliegenden Tabelle zu sehen.
Mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 58 kg lag der Fleischkonsum in Österreich laut RollAMA 2025 auf einem im internationalen Vergleich moderaten Niveau. Aufteilung nach Produktkategorien der in Österreich verzehrten Mengen pro Jahr (RollAMA 2025):
- Rind und Kalbfleisch: 9,9 kg / Kopf
- Schweinefleisch: 32,6 kg / Kopf
- Geflügel: 13,8 kg / Kopf
- Schaf und Ziege: 0,7 kg / Kopf
- Innereien: 0,4 kg / Kopf
- Sonstiges: 0,6 kg / Kopf
Selbstversorgungsgrad | Pro-Kopf-Verbrauch | |
|---|---|---|
Rind- und Kalbfleisch | 148 % | 9,9 kg / Jahr |
Schweinefleisch | 100 % | 32,6 kg / Jahr |
Geflügel | 73 % | 13,3 kg / Jahr |
Eier | 90 % | 15,4 kg / Jahr (~250 Stück) |
Fische | 7 % | 7,8 kg / Jahr |
Trinkmilch | 182 % | 75,4 l / Jahr |
Käse | 100 % | 23,6 kg / Jahr |
Butter | 67 % | 5,3 kg / Jahr |
Quelle: BMLUK, Grüner Bericht 2025
Biobetriebe in Österreich
Die biologische Landwirtschaft ist in Österreich ein bedeutender Teil der heimischen Agrarproduktion und umfasst sowohl den Pflanzenbau als auch die tierische Erzeugung. Im Unterschied zur konventionellen Bewirtschaftung sind im Bio-Bereich noch strengere Vorgaben bei Fütterung, Tierhaltung und Betriebsmittel-Einsatz einzuhalten.
Damit spielt Bio auch in der tierischen Produktion eine wichtige Rolle, etwa bei Milch, Eiern und Fleisch, wo die Nachfrage nach nachvollziehbarer Herkunft und höheren Tierwohlstandards seit Jahren hoch ist. Insgesamt wurden in Österreich 2024 23.942 Biobetriebe gezählt; das entspricht 23,8 % aller landwirtschaftlichen Betriebe. Gleichzeitig lag die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftlich genutzte Fläche bei 697.500 Hektar.
Quellen: AMA Marketing, Roll AMA, AgrarMarkt Astria, Statistik Austria, Grüner Bericht 2025







